Eric Gauthier
Leiter/Choreograph, Gauthier Dance

Innerhalb von wenigen Jahren ist Eric Gauthier der große Sprung gelungen: vom charismatischen Publikumsliebling des Stuttgarter Balletts zum international gefragten Choreographen und Künstlerischen Leiter seiner eigenen Truppe, Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart. Die erste Premiere SIX PACK, im Januar 2008, war der Auftakt für acht außerordentlich erfolgreiche Jahre bis heute. Gauthier Dance präsentiert nicht nur Werke international renommierter Choreographen wie Mauro Bigonzetti, William Forsythe, Jiří Kylián, Itzik Galili, Paul Lightfoot/Sol León und Hans van Manen, sondern auch Gauthiers eigene hochgelobte Stücke, darunter M.M. (2009) und Orchestra of Wolves (2009). Es sind diese beiden Produktionen, für die Eric Gauthier im Februar 2011 mit dem Deutschen Tanzpreis »Zukunft« 2011 für Choreographie ausgezeichnet wurde. Mit seinen originellen, humorvollen und zugänglichen Stücken hat Gauthier nicht nur ein neues junges Publikum für den zeitgenössischen Tanz gewonnen. Renommierte Kompanien weltweit haben mittlerweile Arbeiten von Eric Gauthier in ihrem Repertoire – darunter das Staatsballett Berlin, das Sankt Petersburg Mariinski-Ballett, das Stuttgarter Ballett, das Scapino Ballet Rotterdam oder Het Nationale Ballet Amsterdam. Zu den Ehrungen des Jahres 2016 zählen der Preis für das Beste Duett für Gauthiers Stück Punk Love beim St. Petersburger DANCE OPEN Festival und die Aufnahme unter die Hoffnungsträger im Jahrbuch der Zeitschrift tanz.

Auch als Künstlerischer Leiter der Theaterhaus-Company hat Gauthier eine echte Erfolgsgeschichte geschrieben. Mittlerweile zählt sie zur derjenigen Handvoll deutscher Ensembles mit der intensivsten Tourneetätigkeit – national wie international. Den ersten großen Volltreffer landete Gauthier Dance im Sommer 2010 mit der Uraufführung des abendfüllenden Tanzstücks POPPEA//POPPEA von Christian Spuck. Die britische Fachzeitschrift Dance Europe listete POPPEA//POPPEA unter den weltweiten Top-Ten-Produktionen der Saison 2009/10; Spuck erhielt den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2011 für Choreographie. Weiter ging es im Juli 2013 mit der stereoskopischen Aufzeichnung von POPPEA//POPPEA. Nach der Uraufführung der 3D-Fassung bei der Filmschau Baden-Württemberg im Dezember 2013 folgte die Ausstrahlung bei arte im Februar 2014. Verantwortlich zeichnete Nikolai Vialkowitsch von parallax raumprojektion Karlsruhe, der bereits Gauthiers Choreographie Threesome in einen 3D-Film verwandelt hatte. Als Vorfilm zu Wim Wenders´ PINA erreichte er über 50.000 Zuschauer in deutschen Programmkinos. Entgegen aller statistischen Wahrscheinlichkeit ging der Deutsche Theaterpreis DER FAUST übrigens auch 2013 an ein Mitglied von Gauthier Dance: Anna Süheyla Harms verließ am 16. November 2013 das Schiller Theater Berlin mit der begehrten Trophäe in der Kategorie bester Darsteller / beste Darstellerin Tanz.

Parallel zur steigenden Reputation von Gauthier Dance hat sich die Zusammenarbeit mit internationalen Starchoreographen in den vergangenen Spielzeiten intensiviert. Nach Mauro Bigonzettis umjubelter Alice folgte im Juni 2016 die Uraufführung des dritten abendfüllenden Tanzstücks der Theaterhaus-Company: Marco Goecke erkundete zusammen mit Gauthier Dance den Mythos NIJINSKI: ein Ballett, das von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert wurde und bereits als neuer Meilenstein in der Entwicklung der Company gilt. Eine weitere wichtige Etappe erreichte Gauthier Dance im März 2017: das stark beachtete gemischte Programm BIG FAT TEN markierte den 10. Company-Geburtstag!
Neben seiner Arbeit für die Theaterhaus-Company hat sich Eric Gauthier auch als Festivalmacher profiliert. Im Sommer 2015 sorgte das von ihm konzipierte, vom Theaterhaus Stuttgart produzierte COLOURS International Dance Festival für Furore in der internationalen Tanzwelt. Mit einem deutlich erweiterten Programm in der Stuttgarter City und einem noch hochkarätigeren choreographischen Line-up wurde COLOURS 2017 von Presse und Publikum erneut begeistert aufgenommen. Dass sich der biennale Event bereits in seiner zweiten Ausgabe unter den wichtigen Tanzfestivals in Europa etabliert hat, ist alles andere als selbstverständlich – und zeugt von den künstlerischen Macherqualitäten Eric Gauthiers.

Soziales Engagement

Als Sohn eines führenden Alzheimer-Forschers war Gauthier schon früh für soziale Belange sensibilisiert. Und so gerät bei allem Erfolg der Einsatz für andere nie zur Nebensache, sondern bleibt für Eric Gauthier immer eine Herzensangelegenheit. Mit Gauthier Dance Mobil und einem maßgeschneiderten Repertoire geht das Ensemble in Schulen, Krankenhäuser oder Altersheime und bringt den Tanz zu jenen Menschen, die nicht selbst ins Theater kommen können. Ein Konzept, das bundesweit eine Vorreiterrolle einnahm. Jedes Jahr organisiert und moderiert Gauthier außerdem eine Benefiz-Gala zugunsten der Alzheimer-Forschung im Theaterhaus Stuttgart, bei der Gauthier Dance Seite an Seite mit Companies aus ganz Europa für den guten Zweck tanzt. Eric Gauthier ist Mitglied im Kuratorium der Alzheimer Stiftung Baden-Württemberg und Schirmherr vom Landeskongress Musik und Tanz – Schule in Bewegung. Für sein künstlerisches und soziales Engagement wurde Eric Gauthier im September 2012 mit dem Hans-Peter-Stihl-Preis des FORUM Region Stuttgart  und im April 2015 mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Die Zeit vor Gauthier Dance

Geboren wurde Eric Gauthier in Montreal (Kanada) als Sohn eines Neurologen, der auf dem Gebiet Demenz forscht. Er begann seine Ballettausbildung bei Les Grands Ballets Canadiens in seiner Heimatstadt und besuchte im Anschluss die National Ballet School in Toronto, wo er neben Ballett- auch Musik- und Gesangsunterricht erhielt. 1995 machte er seinen Abschluss und wurde Eleve beim National Ballet of Canada unter der Leitung von Reid Anderson, wo er erste Bühnenerfahrung sammeln durfte.

Als Reid Anderson 1996 Intendant des Stuttgarter Balletts wurde, lud er Eric Gauthier – als einzigen Nichtsolisten – ein, ihm aus Kanada nach Deutschland zu folgen. In Stuttgart tanzte Gauthier eine Vielzahl klassischer und neo-klassischer Rollen, darunter Mercutio in John Crankos Romeo und Julia, den Joker in Crankos Jeu de Cartes, Bootface in Crankos The Lady and the Fool, Alain in Frederick Ashtons La fille mal gardée; hinzu kamen Rollen in Stücken von George Balanchine und Kenneth MacMillan. Es waren jedoch besonders Gauthiers Fähigkeiten als zeitgenössischer Tänzer, die fast jedem Choreographen, der zwischen 1996 und 2006 mit dem Stuttgarter Ballett arbeitete, sofort auffielen. Ob Erstaufführungen oder neue Kreationen – Eric Gauthier war fast immer gefragt und tanzte Stücke von zahlreichen bedeutenden Choreographen, darunter Hans van Manen, John Neumeier, Jiří Kylián, Nacho Duato, Paul Lightfoot, Uwe Scholz und James Kudelka. Vor allem als Interpret der Stücke von William Forsythe hat er sich einen Namen gemacht – er tanzte alle Stücke des berühmten Choreographen, die sich im aktiven Repertoire des Stuttgarter Balletts befinden.

Im Jahr 2000 wurde er zum Halb-Solisten, 2002 zum Solisten des Stuttgarter Balletts ernannt. Eine beachtliche Zahl von Rollen wurde eigens für ihn kreiert. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit dem damaligen Hauschoreographen des Stuttgarter Balletts, Christian Spuck, der inzwischen als Ballettchef nach Zürich wechselte. Nachdem Gauthier in vier Uraufführungen von Spuck aufgetreten war, schuf dieser 2003 in seinem ersten abendfüllenden Werk Lulu. Eine Monstretragödie nach Frank Wedekind die Rolle des Schigolch für ihn. Es folgte im April 2005 die Hauptrolle des Malers in Spucks Stück ... la peau blanche .... Weitere Choreographen, die sich von Gauthier für ihre Uraufführungen inspirieren ließen, sind Mauro Bigonzetti, Itzik Galili, Kevin O`Day, Marguerite Donlon, Daniela Kurz, Dominique Dumais, Nicolo Fonte, Matjash Mrozewski, Douglas Lee, Marc Spradling, James Sutherland, Pascal Touzeau und Trey McIntyre.

Sein Debut als Choreograph gab Eric Gauthier 2005 mit Lebenszeit im Rahmen der Jungen Choreographen der Stuttgarter Noverre-Gesellschaft. Es folgte das gefeierte Ballet 101, das 2007 beim 21. Internationalen Wettbewerb für Choreographie in Hannover sowohl mit dem Kritiker- als auch mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde und inzwischen auf den großen internationalen Bühnen getanzt wird. Air Guitar, Eric Gauthiers getanzte Huldigung an das von ihm so geliebte Instrument, setzte die Erfolgsserie 2007 fort. Nach der dreifachen Nominierung zum Besten Nachwuchs-Choreographen in der Kritikerumfrage der Zeitschrift ballet-tanz stand dann der Entschluss zur Gründung einer eigenen Company am Theaterhaus Stuttgart fest.

It only took Eric Gauthier a few years to make it from charismatic soloist of the Stuttgart Ballet to high-profile international choreographer and head of Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart. The company´s first première SIX PACK set the tone for exceptionally successful years. The Dance Company Theaterhaus Stuttgart does not only present pieces by famous international choreographers such as Mauro Bigonzetti, William Forsythe, Jiří Kylián, Marco Goecke, Itzik Galili, Paul Lightfoot/Sol León or Hans van Manen, but also Gauthier´s own critically acclaimed creations, including M.M. (2009) and Orchestra of Wolves (2009). It is on the strength of these two productions that Eric Gauthier was awarded the prestigious German Dance Price »Future« in the category choreography. With his original, humorous and accessible pieces Gauthier has not only won a new young audience for contemporary dance. Top companies worldwide have taken his works into their repertoire, amongst others the Staatsballett Berlin, the St. Petersburg Mariinsky Ballet, the Stuttgart Ballet, Scapino Ballet Rotterdam or Het Nationale Ballet Amsterdam. Recent kudos include the Prize for the Best Duet at the St. Petersburg DANCE OPEN Festival 2016 for Gauthier´s choreography Punk Love and the distinction as a „Great Hope“ in the yearbook 2016 of the German specialist magazine tanz.

With record speed, the Dance Company Theaterhaus Stuttgart did not only establish itself in the German dance scene but also as an international brand. In summer 2010, Gauthier Dance saw the successful world première of their first full-length piece, Christian Spuck´s POPPEA//POPPEA, which was included among the 10 top productions of the season 2009/10 by the British specialist magazine Dance Europe and earned Spuck the German Theatre Prize THE FAUST 2011. Two years later, the „German Academy Award“ once again went to a member of Gauthier Dance: Anna Süheyla Harms won THE FAUST 2013 as Best Performer Dance. The company has a reputation for breaking new ground. Following a stereoscopic version of Gauthier´s choreography Threesome which was also screened as a supporting film to Wim Wenders´ PINA and seen by more than 50,000 German arthouse cinemagoers, Gauthier Dance tackled an even more ambitious project: POPPEA//POPPEA became the first full-length dance piece to be turned into a 3D film and was broadcast on the French-German television channel arte in February 2014.

Parallel to its growing fame, Gauthier Dance has intensified collaborations with international star choreographers. Following the rave success of Mauro Bigonzetti´s narrative ballet Alice the next full-length piece saw its world première in June 2016: Marco Goecke´s exploration of the myth NIJINSKI – a ballet which was equally celebrated by critics and audiences and is widely regarded as another milestone in the company´s development. In the spring of 2017, the première of the acclaimed 10th anniversary production BIG FAT TEN was a further important step for Gauthier Dance.

On top of his work with the Dance Company Theaterhaus Stuttgart, Gauthier has made his mark with a highly successful festival, once again proving his unerring artistic instincts: Devised by Gauthier and produced by Theaterhaus Stuttgart, the first COLOURS International Dance Festival in 2015 took the public, the media and the dance world by storm. With an extended programme in the Stuttgart city and an even more distinguished choreographic line-up, the second edition of COLOURS in July 2017 earned just as much praise and secured the biennial event a place among the leading European dance festivals.

Social commitment


As the son of a leading Alzheimer´s researcher, Eric Gauthier has acquired an awareness for social issues early on – and follows his convictions with deeds. Gauthier Dance undertakes an extensive Educational and Community Outreach programme, the first of its kind in Germany: Gauthier Dance Mobile. With a specially tailored repertory of works which can be presented in small performing spaces, Gauthier Dance Mobile brings contemporary dance to youth centres, hospitals or to old people´s homes. In addition, Gauthier organizes and hosts an annual charity gala for the benefit of Alzheimer´s research in Theaterhaus Stuttgart and is a member of the board of trustees of the Alzheimer´s Foundation Baden-Wuerttemberg. In April 2015, Eric Gauthier was awarded the Order of Merit of the State of Baden-Wuerttemberg.

The time before Gauthier Dance

Eric Gauthier was born in Montréal, Canada. He received his initial ballet training at the school of Les Grands Ballets Canadiens in his hometown and subsequently studied at the National Ballet School in Toronto, where he also received music and voice lessons. In 1995 he became an apprentice with the National Ballet of Canada under the artistic direction of Reid Anderson.
When Reid Anderson was appointed Director of the Stuttgart Ballet in 1996, he invited Eric Gauthier to come to Stuttgart with him as a member of the corps de ballet. In 2000 Eric Gauthier was named demi-soloist, and in 2002 he was promoted to Soloist.

In Stuttgart Gauthier danced many classical and neo-classical roles including Alain in Frederick Ashton´s La fille mal gardée, Mercutio in John Cranko´s Romeo and Juliet, the Joker in Cranko´s Jeu de Cartes as well as in works by George Balanchine and Kenneth MacMillan. It was his abilities as a contemporary dancer, however, which were instantly noted by every choreographer who worked with the Stuttgart Ballet between 1996 and 2006. For ten years, Eric Gauthier danced in almost every world or company premiere, and in so doing he danced the works of, or worked directly with, an impressive roster of internationally acclaimed choreographers including Hans van Manen, John Neumeier, Jiří Kylián, Nacho Duato, Paul Lightfoot, Uwe Scholz and James Kudelka. He especially made a name for himself as an outstanding interpreter of the works of William Forsythe, dancing five of his ballets and working often with the American choreographer both in Stuttgart and in Frankfurt. During his time with the Stuttgart Ballet (1996-2007), Gauthier also inspired an impressive list of choreographers to create roles for him, most especially Christian Spuck, former resident choreographer of the Stuttgart Ballet and current Artistic Director of Zurich Ballet. Gauthier danced in eight world premieres by Spuck who created the role of Schigolch in Lulu and the leading role of the painter in ...la peau blanche... for him. Other choreographers who have created roles for Eric Gauthier include Mauro Bigonzetti, Itzik Galili, Kevin O´Day, Marguerite Donlon, Daniela Kurz, Dominique Dumais, Nicolo Fonte, Matjash Mrozewski, Douglas Lee, Marc Spradling, James Sutherland, Pascal Touzeau and Trey McIntyre.

In 2005 Gauthier made his debut as a choreographer in the prestigious „Young Choreographers“ programme of the Stuttgart-based Noverre Society. In 2006 he was invited back and created Ballet 101, which won the Critics as well as Audience Prizes at the 21. International Choreographic Competition in Hanover, Germany. In 2007, Gauthier created Air Guitar for the Noverre Society. In September 2007, shortly after leaving the Stuttgart Ballet, Eric Gauthier starred alongside the legendary dancer Egon Madsen in Christian Spuck´s Don Q. which Spuck created for the Theaterhaus Stuttgart. The world premiere was a "sensational success" in the words of the critic Hartmut Regitz of "ballet-tanz" magazine. Don Q. has toured to Austria, Italy, Spain, Luxembourg, Korea and many cities in Germany.

Foto: Maks Richter