Nijinsky war schon zu Lebzeiten ein Mythos. Als einer der wenigen Stars unter den Tänzern, wurde er vor allem berühmt dafür, den Tanz als Interpret wie auch als Choreograph radikal erneuert zu haben. Aber nicht nur Erfolg und Glorifizierung kennzeichnen das Leben Nijinsky: Absturz, Gespaltenheit, Abhängigkeit, Scheitern, Unmöglichkeit waren ebenso Teil seines Lebens. Mit 30 beendete er seine Künstlerkarriere und fristete fortan das Leben eines psychisch Kranken.
In „Re-inventing Nijinsky“ erforschen der Choreograph Fabian Chyle, der Komponist Mark Lorenz Kysela, der Raumbildner Adrian Silvestri, der Videokünstler Alexander Schmidt und der Dramaturg Hans Peter Jahn die Lebensthemen Nijinsky: Tanz, Obsession, Liebe, Sex und Wahnsinn.
Leitmotiv in „Re-inventing“ Nijinsky ist die ununterbrochene Suche nach neuen Räumen, die Nijinskys Leben kennzeichnen und auch Grundlage jeden künstlerischen Schaffens sind. Räume für neue Gedanken, neue Formen und neue (Selbst) Inszenierungen. Diese Suche nach Neuem dokumentieren auch
Nijinskys Gedichte und Tagebuchaufzeichnungen, die er vor allem zu Beginn seiner Krankheit verfasste.
Diese Texte sind Ausgangspunkte sowohl für die Inszenierung, die Choreographie und die Klanginstallation von Mark Lorenz Kysela. So werden in „Re-Inventing Nijinsky“ seine Texte in Bewegung gebracht und werden physisch erlebbar. Dennoch ist „Re-inventing Nijinsky“ fern von einer biographischen Darstellung der Person Nijinsky. Die zentralen Themen seines Werkes und seines Lebens seine Obsession und sein Wille zur Erneuerung (beides sichtbar in seinem künstlerischen Schaffen), seine Abhängigkeit und Gespaltenheit werden in die Gegenwart übertragen und neu erfunden. Der Zuschauer erlebt eine Art Nijinsky Hybris – die durch Strenge und Bildhaftigkeit besticht und in der man sich trotzdem leicht selbst entdecken kann.
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