Die schwäbische Schöpfung von Sebastian Sailer
Szenische Lesung mit Karoline Eichhorn, Peter Sattmann und Alfred Kirchner

Wer hat gewusst, dass der Liebe Gott schwäbisch spricht?

Das Schöne an der Dichtung von Sebastian Sailer (1714-1777) ist, das die Schöpfung überraschender Weise in eben dieser Schwäbischen Heimat spielt: das Paradies hat ein Gartentürle, Gottvater kann Adam aus Lehm erschaffen, weil er beim Hafner, also Töpfer gelernt hat, er kann mit dem Wort FIAT die Welt erschaffen, weil er in die Lateinschule gegangen ist. Er macht die Menschen im Frühjahr, möglichst billig, wegen der in dieser Jahreszeit geringsten „Koschten“.
Darin liegt die Schönheit, sogar Frömmigkeit des Werkes, weil die Schöpfungsgeschichte mit dem Dialekt weder persifliert wird, noch in eine schwäbische dumme Komik getrieben wird. Aus dem Spiel mit ihr scheint eine menschliche Tiefe hervor, die sie leicht neben der biblischen bestehen lässt, eher noch eindrucksvoller oder anmutiger, weil sie keinen hohen oder prophetischen Anspruch stellen will.

Dass Sailer im Barock, als Mönch nicht verklagt oder betraft wurde, sogar zu Maria Theresia als Schwäbischer Cicero eingeladen wurde, unterstreicht die Leichtigkeit, wie dieser freie Geist einen spielerischen Ton findet für Gottes Urstrafe und die Vertreibung aus dem Paradies. Dass Eva neben dem Toren Adam, eine große Klage gegen ihr „Du sollst dem Manne untertan sein“ führen darf, ist ein erstaunliches und erhellendes Geschenk aus dem achtzehnten Jahrhundert.
Schwäbische Eva! von unverzagt bis tollkühn!