Peter Grohmann - Grohmanns Politischer Aschermittwoch

Einmal im Jahr Asche aufs Haupt, wegen der Sünden, und dann gibt’s Weißwürscht und Bier, bis der Ranzen kracht. Geduld muß man haben - und alles hat seine Grenzen, alles seine Ordnung. Meine Omi Glimbzsch aus Zittau hat immer gesagt: „Peter, nach dem Rücken kommt der Arsch - das warsch.“ Inzwischen ist sie im Himmel - und jetzt weiß ich: Nach dem Rücken kommt der Hals. Es ist eine Frage derPerspektive, wann einem was zum Halse heraushängt: Und selbst wenn man sich auf den Kopf stellt, werden im neuen Tunnelbahnhof (wenn er denn je gebaut wird) keine Bäume in den Himmel wachsen, Sünde hin oder her.

Auch die Sündenliste des christlichen Abendlandes wird immer länger - eben lese ich, daß die Katholischen letztes Jahr 1500 Menschen im Mittelmeer ersaufen ließen - sie haben den Ertrinkenden zugerufen: „Das Boot ist voll“. Die abendländischen Mehrheiten in Europa stimmen ihnen da voll zu - und sagen sich: Asche aufs Haupt, die Fastenzeit ist vorüber. Aber wohin mit Frust und Lust, mit schmelzenden Gletschern, wenn nicht ins Tal? Wenn einem die Seele quietscht, laut singen. Am Aschermittwoch klopfen sie dann wieder ihre Sprüche, der heilige Seehofer, der atheistische Gabriel, in Vilshofen, in  Passau, oder der fromme Grohmann - im Theaterhaus, am 22. Februar. Oh verheb’s, sag’ ich mir. Aber es muß raus.