Egon Madsen 75 - Ein Tanzabend für eine Legende

Mauro Bigonzetti, Anniversary Solo für und mit Egon Madsen (Uraufführung) sowie Auszüge aus: Christian Spuck, Don Q. – Eine nicht immer getanzte Revue über den Verlust der Wirklichkeit / Egon Madsens Greyhounds / Mauro Bigonzetti, Cantata
Tanz: Egon Madsen, Eric Gauthier, Julia Krämer, Thomas Lempertz, Marianne Kruuse und Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart
Live-Musik Cantata: Assurd feat. Enza Pagliara

Die Geburtstagsgala versteht sich als Hommage an einen großen Künstler und Freund. Sie vereint noch einmal die Stücke, mit denen Egon Madsen in den vergangenen Jahren im Theaterhaus auf der Bühne zu erleben war. Angefangen bei Christian Spucks Don Q. mit Madsen als herzzerreißend-skurrilem Alten und Eric Gauthier als dessen jungem Begleiter. Die „nicht immer getanzte Revue“ avancierte zum Kultstück, und der überwältigende Erfolg führte schon wenige Monate später zur Gründung der Theaterhaus-Company. Der Choreograph und jetzige Zürcher Ballettchef hat eigens für die Gala Auszüge aus Don Q. ausgewählt und neu arrangiert.

Gleich drei Mal taucht der Name Mauro Bigonzetti im Programm des Abends auf. Außer in seiner glutvollen Cantata, wie immer live begleitet von den fantastischen Sängerinnen der Gruppo Musicale Assurd, wird Egon Madsen in einer Uraufführung zu erleben sein, die Bigonzetti in den vergangenen Wochen mit ihm in Italien erarbeitet hat. Denn beide wohnen in den Marken, nur fünf Autominuten voneinander entfernt. Anniversary Solo handelt vom Prozess des Reifens und von der Suche nach der inneren Harmonie und ist Bigonzettis sehr persönliche Verbeugung vor dem Künstler Egon Madsen. Die beiden Teile des etwa 20-minütigen Stücks zeigen dessen vielgerühmte Doppelbegabung – für das ironisch-humorvolle und das dramatische Fach. Musikalisch gespiegelt werden sie in Keith Jarretts Goodbye aus dem Album Jasmine und Janet Bakers Interpretation von Le Spectre de la rose aus Hector Berlioz´ Liederzyklus Les nuits d´été. Ein Titel, den man in der Ballettwelt ausschließlich mit Michail Fokines gleichnamiger Choreographie assoziiert, die Vaslav Nijinskys internationalen Durchbruch markierte. Zusammen ergeben sie das Porträt eines Tänzers, der nicht nur durch seine Virtuosiät, sondern vor allem durch seine große Menschlichkeit berührt.

Last but not least wird es, in Auszügen, ein Wiedersehen mit Egon Madsens vier Greyhounds geben, die das Theaterhaus-Publikum bei der Premiere 2015 im Sturm eroberten. An der Seite von Egon Madsen stellten Marianne Kruuse, Weggefährtin aus der Cranko-Ära, sowie Julia Krämer und Thomas Lempertz, ehemals Solisten am Stuttgarter Ballett, ihre unverminderte Ausstrahlung in Choreographien von Marco Goecke, Amos Ben-Tal, John Neumeier, Eric Gauthier und wieder Mauro Bigonzetti unter Beweis. Gemeinsam gingen sie der Frage nach, was das Tanzen mit Künstlern macht, die ihre aktive Karriere beendet haben. Wenn sich auch ironischerweise zeigte: Nach dem fulminanten Auftritt der Vier klang der Ausdruck „beendet“ entschieden unangemessen...