Beschreibung
Demokratie lebt davon, dass die Stimme der Menschen zählt und staatliche Institutionen ihr Handeln nachvollziehbar begründen. Doch genau dieses Vertrauen scheint zu schwinden. Viele Bürger haben den Eindruck, dass Entscheidungen parteistrategisch getroffen werden und zudem häufiger korrigiert, gebremst oder juristisch eingehegt werden – während sich ihr Wählerwillen darin kaum noch widerspiegelt.
Gleichzeitig wächst die Sorge um den Schutz der demokratischen Ordnung. Populistische Parteien gewinnen an Gewicht, Diskussionen an Schärfe. Gerichte greifen ein, politische Konflikte werden zu rechtlichen Auseinandersetzungen. In Deutschland wie international zeigt sich: Demokratie ist kein ruhiger Konsensraum, sondern ein Ort wachsender Spannungen.
Der Gesprächsabend geht einer zentralen Frage unserer Zeit nach: Haben Menschen noch das Gefühl, dass ihre Stimme wirklich zählt – oder erleben sie Demokratie zunehmend als etwas, das über ihre Köpfe hinweg organisiert wird? Sind fundamentale Spannungen Ausdruck einer lebendigen Demokratie oder stellen sie eine Bedrohung dar, der die „wehrhafte Demokratie“ entgegentreten muss? Und lässt sich der Erfolg populistischer Bewegungen auch als Reaktion auf ungelöste Spannungen verstehen?
Prof. Dr. Elisa Marie Hoven ist Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht sowie Wirtschafts- und Medienstrafrecht an der Universität Leipzig. Seit 2020 wirkt sie zudem als Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich unter anderem mit digitaler Hasskriminalität, Fragen der Strafzumessung und den Herausforderungen des Rechtsstaats in gesellschaftlichen Konflikten. Sie ist Gastautorin für DIE ZEIT und DIE WELT und prägt als eine der profiliertesten Rechtswissenschaftlerinnen Deutschlands den Diskurs zu Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Zu ihren vielbeachteten Publikationen zählen „Strafsachen“ (2023, zus. mit T. Weigend), „Das Ende der Wahrheit? Wie Lügen, Fake News und Framing unsere Gesellschaft bedrohen“ (2025) und der Roman "Dunkle Momente" (2025).
Prof. Dr. Philip Manow ist Professor für Internationale Politische Ökonomie an der Universität Siegen. Zuvor wirkte er an der Universität Bremen sowie in Konstanz und Heidelberg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der politischen Ökonomie, der Demokratieforschung und der Analyse populistischer Bewegungen. Am Wissenschaftskolleg zu Berlin begründete er das Projekt „Dinge und Orte der Demokratie“. Mit seinen Veröffentlichungen „Die politische Ökonomie des Populismus“ (2018), „(Ent-)Demokratisierung der Demokratie“ (2020) und zuletzt „Unter Beobachtung. Die Bestimmung der liberalen Demokratie und ihrer Freunde“ (2024) hat er wegweisende Beiträge zur aktuellen Populismus- und Demokratiedebatte geleistet.
Thea Dorn ist Schriftstellerin, Publizistin und Philosophin. Sie schrieb preisgekrönte Romane, Drehbücher und Essays, darunter die Bestseller „Die deutsche Seele“ (mit Richard Wagner), „deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“ und „Trost. Briefe an Max“. Sie moderierte viele Jahre „Literatur im Foyer“ (SWR) und wurde 2017 Mitglied sowie 2020 Gastgeberin des „Literarischen Quartetts“ (ZDF). Seit November 2024 ist sie eine der beiden Sprecherinnen der Autorenvereinigung PEN Berlin. Für ihre herausragenden literaturkritischen und -vermittelnden Verdienste wurde sie 2023 mit dem Julius-Campe-Preis ausgezeichnet. In aktuellen Debatten ist sie eine der markantesten und pointiertesten Stimmen. Ihre Arbeiten fördern nicht nur den literarischen Diskurs, sondern tragen auch zur öffentlichen Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der Zeit bei.

