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                      Portraifoto Derya Türkmen

                      Derya Türkmen: Meine Meinung

                      Portraifoto Derya Türkmen

                      Als ich das Wahlkampagnenvideo von Jan van Aken gesehen habe, dem Parteichef der Linken, musste ich zuerst lachen. Er steht vor der Kamera und spricht Türkisch. Mit einem sehr deutschen Akzent. Die Sätze stolpern ein wenig, die Grammatik hängt schief, und er erzählt etwas über steigende Mieten in Baden-Württemberg. Das Problem ist nur: Man versteht ihn kaum.

                      Mein erster Gedanke war: irgendwie süß, er strengt sich ja an. Mein zweiter: schon irgendwie respektlos. Vielleicht, weil sofort eine ganze Reihe anderer Erinnerungen hochkam. Sätze, die viele Menschen mit Migrationsgeschichte seit ihrer Kindheit in Deutschland gehört haben.

                      Einer von ihnen ist: „Hier wird Deutsch gesprochen.“ Oder: „Türkisch kannst du zu Hause reden.“ Sätze, die klar machen sollten, dass diese Sprache hier keinen Platz hat. Und wer eine Sprache zurückweist, weist auch das zurück, was mit ihr kommt – Kultur, Erinnerungen, Familie, Geschichte. Am Ende trifft es den Menschen selbst. Genau darin liegt eine der subtileren Formen von Rassismus: nicht laut, nicht offen feindlich, aber spürbar.

                      Und jetzt, nach mehr als 60 Jahren Einwanderungsgeschichte, steht plötzlich ein deutscher Parteichef vor einer Kamera und spricht Türkisch. Nicht nur er. Parteien haben längst entdeckt, dass Sprache ein politisches Werkzeug sein kann: Die AfD wirbt auf Russisch, andere auf Arabisch oder Italienisch. Sprachen, die jahrzehntelang im öffentlichen Raum marginalisiert wurden, werden nun instrumentalisiert, weil man verstanden hat, dass sich mit ihnen auch Wähler erreichen lassen.

                      Eigentlich müsste man das als Fortschritt sehen. Vielleicht sogar als Anerkennung eines Landes, das längst mehrsprachig ist. Und doch bleibt ein ungutes Gefühl – eine Mischung aus Bauchschmerzen und Wut. Denn wer jahrelang gelernt hat, dass die eigene Sprache hier nicht wirklich dazugehört, für den wirkt es seltsam, wenn sie plötzlich im Wahlkampf auftaucht. Dann fühlt sich das weniger nach Anerkennung an als nach politischer Strategie. Man fragt sich unweigerlich: Bin ich hier wirklich gemeint – oder werde ich nur benutzt?

                      Und dann erinnere ich mich wieder daran, dass wir in einem Land leben, das bei rechtsextremer Gewalt lange lieber wegsieht: der NSU, der Brandanschlag von Mölln, die Morde von Hanau. Taten, deren Hintergründe sich oft nur mühsam aufklären lassen und die schnell als Einzelfälle abgegolten werden. Gleichzeitig gewinnt die AfD immer mehr Wähler – eine Partei, die selbst auf Russisch Wahlkampf macht, während sie Migration politisch bekämpft. 

                      Vor diesem Hintergrund wirkt ein Parteichef, der im Wahlkampf ein paar Sätze auf Türkisch sagt, erstaunlich klein. Denn bei Sprache geht es nie nur um Worte.

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